ETF-Checkliste: Am besten so dämlich wie möglich und so billig wie nötig

Englisch
Zum Buch
Deutsch
Zum Investment Guide

Grundsätzlich stelle ich mir, noch bevor ich mich mit einem einzelnen Produkt auseinandersetze, zwei Kostenfragen:

  1. Wie hoch sind die einmaligen Kosten?
  2. Wie hoch sind die laufenden Kosten?

Fallen einmalige Kosten, wie ein Ausgabeaufschlag an, ist das Produkt von vornherein durchgefallen.

 

Belaufen sich die laufenden Kosten auf mehr als 0,50 Prozentpunkte (mehr oder weniger) pro Jahr, ist das Produkt somit auch von vornherein durchgefallen.

Depot Vergleich
Girokonto Vergleich
Tagesgeld Vergleich

Warum mache ich das so? Weil ich nicht an Kosten bei der Geldanlage glaube. Kosten sind der Performance-Killer Nr. 1 und ich kann sie einigermaßen steuern. Ich muss sie nicht akzeptieren, indem ich Luxusprodukte links liegen lasse. Dazu mit einer gewissen Raffinesse an der Börse vorgehe.

 

Lies mich: In diesem Artikel habe ich einmalige und laufende Kosten, welche die Performance killen, aufgelistet.

 

Mit diesen zwei einfachen Fragen fallen grob geschätzt 80% - 90% der Anlageprodukte am Kapitalmarkt durch mein Raster. Meistens sind das Investmentfonds.

 

Die durch das Raster gefallenen Produkte kommen nicht ins Depot. Sie kommen auch dann nicht ins Depot, ganz gleich welche Rendite versprochen wird und ganz gleich wie die Zukunftsaussichten aussehen.

 

Dem übrigen Rest gehört die weitere Aufmerksamkeit.

Konzentrieren wir uns in diesem Artikel auf ETFs.

ETF Checkliste: Das Wichtigste in Kürze

Weil in der Regel bei ETFs auf der Seite des Emittenten keine einmaligen Kosten (z.B. Ausgabeaufschlag) anfallen, die laufenden Kosten eher gering sind, kommen wohl alle ETFs in die engere Wahl.

 

Bei tausenden ETFs wird aus der Selektion schnell eine Tortur.

Welche weiteren Kriterien können herangezogen werden?

 

Hier die wichtigsten Kriterien in Kürze:

  • Index: möglichst breit
  • Replikationsmethode: vollständig physisch-replizierend
  • Fondsvolumen: möglichst hoch
  • Existenz: möglichst alt

 

Bleibt die Frage:

  • thesaurierend oder ausschüttend?

 

Weitere Kriterien:

  • Tracking Error (Nachbildungsfehler): möglichst gering
  • Betafaktor (Beta): möglichst nahe eins
  • Alpha: möglichst nahe null
  • Geld-Brief-Spanne (Spread): möglichst unter einem Prozent

ETF-Checkliste zum Herunterladen und Ausdrucken

Download
ETF-Checkliste
ETF-Checkliste zum Herunterladen und Ausdrucken.
MoosParade Finanzblog ETF-Checkliste.pdf
Adobe Acrobat Dokument 368.0 KB

ETF Checkliste: Das Wichtigste im Detail

Welchen Index bildet der ETF nach?

ETFs bilden Börsenindizes nach.

Ein Börsenindex setzt sich aus mehreren Wertpapieren zusammen.

In der Regel repräsentiert ein Index entweder den Aktienmarkt eines Landes (z.B. Deutschland), eines Kontinents (z.B. Europa) oder eines Börsensegments (z.B. Energie).

 

Für Privatanleger, die langfristig und passiv investieren möchten, eignen sich wohl am ehesten markt­breite Indizes.

 

Was der Unterschied zwischen der aktiven und der passiven Geldanlage ist, erfährst Du in diesem Artikel.

 

Bedauerlicherweise gibt keinen Index, welcher wirklich die gesamte Welt vom Nordpol bis zur Südhalbkugel abdeckt.

 

Als Beispiel kann ich den weltumspannenden Index, den MSCI World Index nennen.

Mit einem ETF auf den MSCI World Index investierst Du in über 1.637 Aktien aus 23 Ländern.

 

Ein weiterer weltumspannender Index ist der MSCI Emerging Markets Index.

Das ist ein Aktienindex, der die Entwicklung von Aktien in den Emerging Markets widerspiegelt.

 

Emerging Markets bedeutet: aufstrebende Märkte.

Welche Replikationsmethode verwendet der ETF?

Hier gibt es neben ein paar Abweichungen zwei grundsätzliche Möglichkeiten:

  1. Physisch-replizierend,
  2. Swapbasiert.

Physisch-replizierend bedeutet: Hier werden die Wertpapiere, die in einem Index enthalten sind, tatsächlich von dem Emittenten (ETF-Anbieter) gekauft.

 

Swapbasiert bedeutet: Hier werden die Wertpapiere, die ein Index enthält, zu einem Teil nicht gekauft, sondern über ein Gegengeschäft (Tauschgeschäft) erworben. Lediglich wird hier die Zusage gemacht, dass der ETF sich genauso entwickelt wie der Index.

Wie hoch ist das Fondsvolumen?

Ein ETF mit einem hohen Fondsvolumen hat eine gewisse Marktmacht.

Ein hohes Fondsvolumen bietet mehr Sicherheit für den Anleger.

Sicherheit in puncto dessen, dass der ETF nicht von heute auf Morgen geschlossen wird.

Ein zu niedriges Fondvolumen birgt das Risiko einer Fondschließung oder Fondsfusionierung.

 

Grundsätzlich ist eine Fondsschließung oder -Fusionierung nicht gravierend. Das investierte Kapital ist nicht verloren. Es können jedoch weitere Kosten (Transaktionsgebühren etc.) anfallen.

 

Im Sinne einer langfristigen Geldanlage ist eine Fondsschließung nicht optimal.

 

Als niedrig wird das Fondsvolumen eingestuft, wenn weniger als hundert Millionen Euro Fondsvermögen im ETF verwaltet werden.

 

Ein hohes Fondsvolumen bedeutet auch mehr Umsatz, was sich in niedrigen Spreads wiederspiegelt. Ein Spread ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Je niedriger der Spread, desto weniger kostet der ETF den Anleger beim Kauf.

 

Mehr zum Spread weiter unten im Artikel.

Wie lange existiert der ETF am Markt?

Zweifelsohne gibt es etablierte ETFs, die sich seit Jahrzehnten bewährt haben, weil sie nichts anderes machen, als stumpf einem Index nachzulaufen.

 

Obwohl Vergangenheitswerte nicht in die Zukunft übertragen werden können, kann diese Kontinuität ein Kaufkriterium wert sein.

Die Dividende

Soll der ETF thesaurieren oder ausschütten?

Entweder: Die Dividende wird ausgeschüttet.

Oder: Die Dividende wird thesauriert.

 

Für den Langfristanleger ist zu empfehlen: Einen thesaurierenden ETF zu kaufen.

 

Ein thesaurierender ETF kommt an den Zinseszinseffekgedanken eher heran. Die Erträge können nicht anderweitig ausgegeben, es müssen dafür schon Anteile verkauft werden.

 

Außerdem entfallen bei der sofortigen Reinvestition der Erträge die Kaufgebühren etc.

 

Ausschüttende ETFs kannst Du kaufen, wenn Du auf Ausschüttungen nicht verzichten möchtest.

 

Es ist wohl eher eine persönliche Einstellungssache.

Weitere Kriterien

Tracking Error (Nachbildungsfehler) sollte möglichst gering sein

ETFs sollten möglichst genau einen Index nachbilden. Ob die Entwicklung des ETFs von der Entwicklung des Index abweicht, lässt sich mit dem Tracking Error feststellen.

 

Ein großer Tracking Error kann bedeuten: Unbeständigkeit des ETFs, weil Index fehlerhaft nachgebildet. Ein kleiner Tracking Error ist positiv zu bewerten.

 

Konkret: Tracking Error kleiner als ein Prozent ist bei ETFs positiv zu bewerten.

Betafaktor (Beta) sollte möglichst nahe eins sein

Mit dem Betafaktor lässt sich die Schwankungsanfälligkeit eines ETFs (auch Aktien) gegenüber einem Index feststellen.

 

Eine hohe Schwankungsanfälligkeit deutet auf ein höheres Risiko hin.

Eine niedrige Schwankungsanfälligkeit deutet auf ein niedriges Risiko.

 

Konkret:

 

Beta größer als eins: Der ETF weist eine höhere Schwankung auf, als der Index.

Beta gleich eins: Der ETF bewegt sich analog dem Index.

Beta kleiner als eins: Der ETF weist eine geringere Schwankung auf, als der Index.

Beta negativ: Der ETF entwickelt sich im Gegensatz zum Index negativ (in die entgegengesetzte Richtung).

Alpha sollte möglichst nahe null sein

Alpha misst die geglückte oder missglückte Auswahl und Gewichtung von Wertpapieren innerhalb eines ETFs.

 

Kurz zum Verständnis: Bei aktiv gemanagten Investmentfonds sollte Alpha möglichst hoch sein. Das deutet auf ein erfolgreiches Fondsmanagement.

 

Bedeutet: Es wurde eine überdurchschnittliche Rendite durch eine erfolgreiche Wertpapierauswahl und Gewichtung innerhalb des Investmentfonds erwirtschaftet.

 

Bei ETFs sollte Alpha möglichst nahe null sein.

Das deutet darauf hin, dass die Zusammensetzung der Wertpapiere im ETF den Index identisch abbildet.

Geld-Brief-Spanne (Spread) sollte unter einem Prozent sein

Geldkurs bedeutet: Der höchste Kurs (Preis), zu dem ein Anleger bereit ist, einen ETF (oder sonstige Wertpapiere) zu kaufen.

 

Briefkurs bedeutet: Der niedrigste Kurs (Preis), zu dem ein Anleger bereit ist, einen ETF (oder sonstige Wertpapiere) zu verkaufen.

 

Spanne (Spread) bedeutet: Differenz zwischen Kauf und Verkauf.

 

Eine niedrige Geld-Brief-Spanne (ein niedriger Spread) ist ein Indikator für vorhandene Liquidität auf einem Markt.

Eine hohe Geld-Brief-Spanne (ein hoher Spread) ist ein Indikator für fehlende Liquidität auf einem Markt.

 

Bedeutet: Bei einer vorhandenen Liquidität sind viele Anleger vorhanden, die einen ETF kaufen oder verkaufen. Der ETF lässt sich üblicherweise jederzeit problemlos kaufen, nachkaufen oder auch abstoßen.

ETF-Checkliste: Das Fazit

Bleibt im Endeffekt nochmal der Hinweis zu den Kosten.

 

Des Moosmanns Theorie: Je weniger Geld ich für die Geldanlage bleche, desto mehr bleibt für mich übrig. Bei ETFs explizit mehr von der Marktrendite in meinem Geldbeutel.

 

Zumindest der Moosmann ist ein Kostenfanatiker und sagt gerne öfter „Nein“ als „Ja“.

Werde Teil des MoosParade Universums: Weil ohne Moos nix Los!

MoosParade Finanzblog

Folge dem Moosmann: Lass dich leiten, quer durch das Finanzdickicht

Der Moosmann

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.

Depot Vergleich
Girokonto Vergleich
Tagesgeld Vergleich