Externenprüfung: Wie Sie ohne Ausbildung einen Berufsabschluss nachholen, sofort mehr Geld verdienen und ihren Traum-Job finden

Sie haben keinen Berufsabschluss?

 

Das Fehlen eines anerkannten Qualifikationsnachweises kann ein wesentliches Hemmnis für das berufliche Fortkommen sein.

 

Die Chance, einen staatlich anerkannten Berufsabschluss zu erwerben, ohne eine klassische Berufsausbildung zu absolvieren, ermöglicht die Externenprüfung.

 

Die Gründe einen staatlich anerkannten Berufsabschluss mit der Externenprüfung zu erwerben können vielfältig sein:

  • Sie möchten mehr Geld verdienen.
  • Sie möchten ihre bereits erworbenen Berufserfahrungen mit einem Qualifikationsnachweis bestätigen.
  • Sie möchten sich vor Arbeitslosigkeit schützen.
  • Sie möchten ihre Chancen am Arbeitsmarkt verbessern.
  • Sie möchten den Arbeitgeber wechseln.
  • Sie möchten im Unternehmen aufsteigen.
  • Sie  möchten erweiterte Weiterbildungschancen wahrnehmen, wo eine Berufsausbildung vorausgesetzt wird etc.

In diesem Artikel zeigen wir ihnen nach dem Frage-Antwort-Prinzip:

  • Was ist eine Externenprüfung?
  • Welche Zulassungsvoraussetzungen müssen Sie erfüllen, um die Externenprüfung zu meistern?
  • Welchen Berufsabschluss können Sie mit der Externenprüfung erwerben?
  • Welche Kosten kommen mit der Externenprüfung auf Sie zu?
  • Wie Sie diese Kosten von der Steuer absetzen könnten?
  • Welche Fördermöglichkeiten gibt es, die Sie zu ihrem Ziel führen?

 

Weil dieser Artikel recht üppig ist, haben wir alle Informationen in einem praktischen Handbuch zusammengefasst.

 

Interessant ist das griffige Handbuch sowohl für Sie, als auch für Arbeitgeber, Personalräte und Betriebsräte, die ihre Mitarbeiter und Kollegen bei der Weiterqualifizierung unterstützen und umfassend über die Externenprüfung aufklären möchten.

Externenprüfung

Inhalt dieses Artikels:

  • Was ist eine Externenprüfung?
  • Wer soll mit der Externenprüfung die Möglichkeit bekommen, einen staatlichen anerkannten Berufsabschluss zu erwerben?
  • Welche Zulassungsvoraussetzungen muss ich erfüllen, um die Externenprüfung absolvieren zu können?
    • Zulassung aufgrund nachgewiesener beruflicher Tätigkeit
    • Zulassung aufgrund erworbener Handlungsfähigkeit
  • Welche Nachweise und Unterlagen muss ich vorlegen, um für die Externenprüfung zugelassen zu werden?
    • Nachweise und Formulare bei Zulassung aufgrund nachgewiesener beruflicher Tätigkeit
    • Nachweise und Formulare bei Zulassung aufgrund erworbener Handlungsfähigkeit
  • Wer entscheidet darüber, ob ich über die Zulassungsvoraussetzungen erfülle und wo lege ich die Prüfung ab?
  • Welche Kammer ist für mich zuständig und wo stelle ich den Antrag auf die Externenprüfung?
  • Wie stelle ich den Antrag auf eine Externenprüfung?
  • Wie soll ich am besten vorgehen?
  • Kostet mich die Überprüfung der Zulassung zur Prüfung durch die Kammer Geld?
  • Zählt der Abschluss der Externenprüfung genauso viel, wie ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf?
  • Welche Berufe kann ich mit der Externenprüfung erwerben?
  • Wie kann ich mich auf die Externenprüfung vorbereiten?
  • Gibt es eine finanzielle Förderung?
  • Was sind die Hauptgründe und Motive die Externenprüfung abzulegen?
  • Welche Vorteile hat die Externenprüfung für mich?
  • Welche Vorteile hat mein Unternehmen beziehungsweise der Chef, wenn ich die Externenprüfung ablege?
  • Verdiene ich mehr Geld, wenn ich die Externenprüfung bestehe?
  • Kann ich die Einstufung in eine höhere Lohnstufe verlangen?
  • Wann finden die Prüfungen statt?
    • Sommerprüfung
    • Winterprüfung
  • Wann ist Anmeldeschluss zur Prüfung?
  • Welche Fristen muss ich einhalten?
  • Wie hoch ist die Prüfungsgebühr?
  • Wie oft kann ich die Prüfung wiederholen?
  • Wo kann ich die Prüfungsaufgaben der letzten Jahre bestellen?
  • Ich habe bereits einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf erworben. Kann ich die Externenprüfung in einem anderen Beruf ablegen und mich “doppelt qualifizieren“?
  • Ich habe meine Ausbildung abgebrochen oder die Abschlussprüfung nicht bestanden. Können die Ausbildungszeiten für die Externenprüfung angerechnet werden?
  • Kann eine höhere schulische Allgemeinbildung wie etwa die Fachoberschulreife für die Externenprüfung angerechnet werden?
  • Ich habe mein Studium abgebrochen? Können Studienzeiten angerechnet werden?
  • Kann ich die Kosten der Externenprüfung von der Steuer absetzen?
  • Was ist, wenn ich nicht zur Prüfung zugelassen werde?
  • Prüfungstipp
  • Ihre nächsten Schritte
  • Adressen und Links

Was ist eine Externenprüfung?

Die Externenprüfung, im Fachjargon auch als Berufliche Nachqualifizierung bezeichnet, ist eine Bildungsoffensive im Bundesprojekt "Perspektive Berufsabschluss". Die Externenprüfung ermöglicht Erwachsenen unter Berücksichtigung einschlägiger Vorleistungen (zum Beispiel nachweisbare Tätigkeitserfahrungen) die berufliche Abschlussprüfung nach § 45 Abs. 2 Berufsbildungsgesetz (BBiG) beziehungsweise § 37 Abs. 2 Handwerksordnung (HwO) abzulegen und damit einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf zu erwerben.

 

Die Externenprüfung ist neben der Umschulung die einzige weitere Möglichkeit zum Erwerb eines staatlich anerkannten Berufsabschlusses.

 

Die Externenprüfung ist nichts anderes als die Abschlussprüfung im kaufmännischen Bereich oder die Gesellenprüfung im handwerklichen Bereich in einem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf. Der Unterschied ist lediglich, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor der Prüfung keine klassische Ausbildung durchlaufen haben und deshalb als Externe gelten.

 

Ein Video zur Externenzulassung der IHK Berlin:

Wer soll mit der Externenprüfung die Möglichkeit bekommen, einen staatlichen anerkannten Berufsabschluss zu erwerben?

Zielgruppe sind arbeitslose Erwachsene ohne Berufsabschluss. Beziehungsweise gering qualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ihren Berufsabschluss erwerben/nachholen wollen.

Welche Zulassungsvoraussetzungen muss ich erfüllen, um die Externenprüfung absolvieren zu können?

Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten zur Externenprüfung zugelassen zu werden.

 

Dabei wird unterschieden nach:

  • Zulassung aufgrund nachgewiesener beruflicher Tätigkeit,
  • Zulassung aufgrund erworbener Handlungsfähigkeit.

 

Zulassung aufgrund nachgewiesener beruflicher Tätigkeit

 

Wen Sie als Externer zur Abschluss- beziehungsweise Gesellenprüfung zugelassen werden möchten, müssen Sie nachweisen, dass Sie mindestens das Eineinhalbfache der vorgeschriebenen Ausbildungszeit in dem Beruf gearbeitet haben, in dem Sie die Prüfung ablegen möchten.

Externenprüfung

Beispiel I:

Angestrebter Beruf: Kaufmann/-frau im Einzelhandel

Ausbildungszeit des Berufes: 3 Jahre

Mindestdauer der Berufstätigkeit: 4,5 Jahre

 

Beispiel II:

Angestrebter Beruf: Industriemechaniker/-in

Ausbildungszeit des Berufes: 3,5 Jahre

Mindestdauer der Berufstätigkeit: 5,25 Jahre

 

 

Zulassung aufgrund erworbener Handlungsfähigkeit

 

Falls Sie diese Mindestdauer nicht oder nicht vollständig nachweisen könnten, können Sie trotzdem zur Externenprüfung zugelassen werden. Wenn Sie durch Zeugnisse oder auf andere Weise glaubhaft belegen könnten, dass Sie die berufliche Handlungsfähigkeit erworben haben, die eine Zulassung zur Prüfung rechtfertigen.

Welche Nachweise und Unterlagen muss ich vorlegen, um für die Externenprüfung zugelassen zu werden?

Es gehören dazu:

  • ein tabellarischer Lebenslauf und,
  • entweder ein formloser Brief oder ein vorgedruckter Zulassungsantrag seitens der zuständigen Kammer.

Dazu gehören Nachweise und Formulare, die die einschlägigen Berufserfahrungen im jeweiligen oder ähnlichen Beruf nachweisen.

 

 

Nachweise und Formulare bei Zulassung aufgrund nachgewiesener beruflicher Tätigkeit:

  • Ausbildungszeiten in einem anderen einschlägigen Ausbildungsberuf.
  • Arbeitszeugnisse und Arbeitsverträge, die belegen, dass einschlägige Berufserfahrungen in dem Beruf gesammelt wurden sowie der zeitliche Umfang der Tätigkeit hervorgehen.
  • Bei Selbständigen kann der Nachweis mit der Gewerbeanmeldung erfolgen. Hier sollte das Gewerbe in der jeweiligen Branche des angestrebten Abschlusses korrelieren.
  • Teilnahmebescheinigungen bei erfolgter Weiterqualifizierung durch Weiterbildungsangebote.
  • Bereits erworbene Abschlüsse im Ausland müssen in einer deutschen Übersetzung eingereicht werden.

 

Nachweise und Formulare bei Zulassung aufgrund erworbener Handlungsfähigkeit:

  • Nachweisen Sie, welche die berufliche Handlungsfähigkeit belegen (Tätigkeitsnachweise oder Arbeitszeugnisse),
  • Ergänzende Bildungsmaßnahmen,
  • Erworbene Zeugnisse und ausländische Bildungsabschlüsse müssen in einer deutschen Übersetzung eingereicht werden,
  • Zeitsoldaten und -soldatinnen können Bescheinigungen des Bundesministeriums der Verteidigung oder einer von ihm bestimmten Stelle, die bestätigen, dass die für die Zulassung erforderlichen beruflichen Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kenntnisse erworben wurden einreichen.

Wer entscheidet darüber, ob ich über die Zulassungsvoraussetzungen erfülle und wo lege ich die Prüfung ab?

  • Für die staatlich annerkannten Ausbildungsberufe im kaufmännischen Bereich ist die Industrie- und Handelskammer zuständig. Ob Sie die Zulassungsvoraussetzungen erfüllen, entscheidet die jeweils zuständige Stelle für ihre Region.
  • Für die staatlich annerkannten Ausbildungsberufe im handwerklichen Bereich ist die Handwerkskammer zuständig. Ob Sie die Zulassungsvoraussetzungen erfüllen, entscheidet die jeweils zuständige Stelle für ihre Region.

Welche Kammer ist für mich zuständig und wo stelle ich den Antrag auf die Externenprüfung?

Über die Postleitzahlsuche des jeweiligen Kammerportals können Sie herausfinden, welche Kammer für Sie zuständig ist und wo genau Sie den Antrag auf die Externenprüfung stellen können.

 

Links zu den Kammerportalen:

 

Industrie- und Handelskammer

http://www.ihk.de

 

Handwerkskammer

http://www.handwerkskammer.de

Wie stelle ich den Antrag auf eine Externenprüfung? Wie soll ich am besten vorgehen?

Wie bereits erwähnt, können Sie einen vorgedruckten Zulassungsantrag seitens der zuständigen Kammer oder ein formloses Schreiben mit der Angabe des Berufes, in dem Sie die Prüfung ablegen möchten, verwenden.

 

Dazu gehört ein tabellarischer Lebenslauf und die oben aufgeführten Nachweise, die dem gewünschten Abschluss entsprechen.

 

Alles zusammen senden Sie am besten direkt an die für Sie zuständige Kammer.

Kostet mich die Überprüfung der Zulassung zur Prüfung durch die Kammer Geld?

Die Überprüfung durch die Kammer, ob Sie zur Prüfung zugelassen werden können, ist grundsätzlich kostenfrei.

 

Allerdings können einige Stellen eine geringe Antragsgebühr verlangen.

Zählt der Abschluss der Externenprüfung genauso viel, wie ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf?

Ja, die Externenprüfung ist gleichwertig. Sie legen die einheitliche schriftliche und praktische Prüfung, wie reguläre Auszubildende ab und bekommen das gleichwertige Zeugnis.

Welche Berufe kann ich mit der Externenprüfung erwerben?

Sie können mit der Externenprüfung alle staatlich anerkannten Berufsabschlüsse erwerben.

 

Eine Auswahl der gängigsten Berufsfelder, die Sie mit der Externenprüfung erwerben können:

  • Automobilkaufleute,
  • Bankkaufleute,
  • Buchhändler und Buchhändlerinen,
  • Bürokaufleute,
  • Drogisten,
  • Fachinformatiker,
  • Lageristen,
  • Floristen,
  • Hotelfachleute,
  • Hotelkaufleute,
  • Immobilienkaufleute,
  • Industriekaufleute,
  • Kaufleute für Tourismus, Handel, Versicherungen und Finanzen,
  • Köche,
  • Kraftfahrzeugmechaniker,
  • Postverkehrskaufleute,
  • Restaurantfachleute,
  • Sport- und Fitnesskaufleute,
  • Schlosser und Schlosserinnen,
  • Techniker und Technikerinnen,
  • Tischler und Tischlerinnen,
  • Verkäufer und Verkäuferinnen.

Eine detaillierte Liste der über hundert staatlich anerkannten Berufe finden Sie bei der zuständigen Kammer.

Wie kann ich mich auf die Externenprüfung vorbereiten?

Grundsätzlich können Sie im Selbststudium autodidaktisch auf die Prüfung vorbereiten. Mit Prüfungen aus den letzten Jahren und Fachliteratur können Sie gezielt die Theorie erlernen.

 

Etwaige Anbieter, sowohl online als auch im klassischen Lernunterricht, bieten gezielt Vorbereitungskurse für den angestrebten Berufsabschluss an.

 

Wo Sie solche Onlinekurse und Unterrichtseinheiten finden und welche Einrichtungen solche Vorbereitungskurse anbieten, erfahren Sie bei der für Sie zuständigen Kammer. Über die Kosten informieren Sie die jeweiligen Weiterbildungsträger.

 

Alternativ können Sie sich auch an die Bundesagentur für Arbeit oder an das Job-Center wenden.

Gibt es eine finanzielle Förderung?

Der Besuch eines Vorbereitungskurses ist unter Umständen durch einen Bildungsgutschein seitens der Bundesagentur für Arbeit förderbar. Die Förderung durch einen Bildungsgutschein ist an bestimmte Voraussetzungen gebunden.

 

Die Teilnahme eines Vorbereitungskurses muss notwendig sein:

  • Um die Arbeitnehmerin oder den Arbeitnehmer bei Arbeitslosigkeit beruflich einzugliedern,
  • Eine konkret drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden,
  • Die Notwendigkeit einer Weiterbildung wegen fehlenden Berufsabschlusses anerkannt ist.

Vor Beginn der Teilnahme eines Vorbereitungskurses muss eine Beratung durch die Agentur für Arbeit erfolgt sein. Die Förderung durch einen Bildungsgutschein ist eine “Kann-Leistung” und muss bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt werden.

 

Einen Antrag auf einen Bildungsgutschein können Sie mit einem formlosen Schreiben stellen. Am besten ist es jedoch, Sie vereinbaren direkt einen Termin mit ihrem Sachbearbeiter bei der Arbeitsagentur oder im Job-Center.

Was sind die Hauptgründe und Motive die Externenprüfung abzulegen?

Eine Auswertung der PIACC-Studie aus dem Jahr 2013 zeigt, dass für Geringqualifizierte Arbeitnehmer die Jobchancen in Deutschland ungleich schlechter als in anderen Ländern sind.

 

Wie viel Sie tatsächlich können, spielt oftmals eine überraschend geringe Rolle, wenn Sie es nicht schwarz auf weiß nachweisen können. Manager und Personalleiter sollen eine besondere Vorliebe für Zeugnisse und Abschlüsse haben. Schenkt man dieser Studie Glauben, finden Arbeitnehmer leichter eine Stelle, wenn sie einen formalen Abschluss vorweisen können.

 

Die weiteren Hauptgründe und Motive sind:

  • Die Aussicht auf mehr Geld.
  • Der Wunsch neue Aufgabengebiete zu erschließen.
  • Privates oder berufliches Ansehen und die Herausforderung „noch einmal“ zu lernen.

Welche Vorteile hat die Externenprüfung für mich?

  • Arbeitsplatz wird gesichert,
  • Gesteigerte Wertschätzung (durch Unternehmen, Chef und den Arbeitsmarkt),
  • Stärkere Bindung an das Unternehmen,
  • Staatlich anerkannter Abschluss,
  • Extern bedeutet auch arbeitsbegleitend. Sie müssen ihren jetzigen Job nicht aufgeben, um einen (neuen) Beruf zu erwerben.

Welche Vorteile hat mein Unternehmen beziehungsweise der Chef, wenn ich die Externenprüfung ablege?

  • Der Chef gewinnt einen motivierten und engagierten Mitarbeiter. Die Vermutung liegt nahe, dass die Externen selbst als Initiator und Motivator anzusehen sind. Das wissen die meisten Chefs zu schätzen.
  • Imagegewinn für das Unternehmen, indem es die Qualifizierung der Arbeitnehmer/- innen fördert.
  • Geld- und Zeitersparnis für das Unternehmen, weil Nachqualifizierung weniger kostet, als der Aufwand für die Suche nach neuen Mitarbeitern.
  • Qualifizierte Mitarbeiter steigern die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

Verdiene ich mehr Geld, wenn ich die Externenprüfung bestehe?

Ein Fall aus der Praxis: Seit drei Jahren bin im Einzelhandel als Verkäufer tätig. Das ist mein erster Job. Vorher hatte ich keine Arbeitserfahrung und auch keine Ausbildung. Aus diesem Grund wurde ich nach dem Mindesttarif laut Tarifvertrag eingestuft. Vor einer Woche habe ich über die Externenprüfung den staatlich anerkannten Berufsabschluss zum Einzelhandelskaufmann erworben.

 

Kann ich die Einstufung in eine höhere Lohnstufe verlangen?

 

Wenn laut Tarifvertrag qualifizierte Arbeitnehmer, also Arbeitnehmer mit einem Berufsabschluss eine höhere Tarifeinstufung genießen, und das Unternehmen an den Tarifvertrag gebunden ist, muss der Arbeitgeber das Gehalt anpassen. In den meisten Fällen springt eine ungelernte Kraft zwei bis drei Gehaltsstufen nach oben und verdient somit deutlich mehr Geld als eine unqualifizierte Arbeitskraft.

 

Einzelheiten zu den branchenspezifischen Tarifverträgen erfahren Sie bei der für ihre Branche zuständigen Gewerkschaft.

 

Aber auch ohne Tarifvertrag kann sich ein Gespräch mit dem Arbeitgeber lohnen, ob nach bestandener Prüfung mehr Arbeitsentgelt zusteht, als einer ungelernten Kraft.

Wann finden die Prüfungen statt?

Die Abschlussprüfungen der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer finden in der Regel jeweils im Sommer und Winter statt - zwei Mal im Jahr.

 

Sommerprüfung:

  • Die schriftlichen Abschlussprüfungen finden zwischen den Monaten Mai und Juli statt.
  • Die praktischen Abschlussprüfungen finden zwischen den Monaten Juni und August statt.

Winterprüfung:

  • Die schriftlichen Abschlussprüfungen finden, je nach Ausbildungsberuf, in den Monaten November und Februar statt.
  • Die praktischen Abschlussprüfungen finden zwischen den Monaten Dezember und März statt.

 

Die Abschlussprüfungen der sogenannten "grünen Berufe" (Gartenbau, Land- und Tierwirtschaft) finden nur im Sommer statt.

Wann ist Anmeldeschluss zur Prüfung? Welche Fristen muss ich einhalten?

Die Unterlagen zur Überprüfung der Zulassungsvoraussetzungen sollten spätestens vier Wochen vor dem Anmeldeschluss der gewünschten Prüfung eingereicht werden.

  • Sommerprüfung spätestens der 31. Januar des Jahres, in dem die Prüfung stattfindet.
  • Winterprüfung spätestens der 31. Juli des Jahres, das der Prüfung voran geht.

Wie hoch ist die Prüfungsgebühr?

Die Kosten der Prüfung richten sich nach den gültigen Gebührenordnungen der jeweiligen Kammern.

 

Beispiel der Prüfungsgebühr zum Berufskraftfahrer

 

Gesamtprüfung: 190,00 Euro

Wiederholung der schriftlichen Prüfung: 72,00 Euro

Wiederholung der praktischen Prüfung: 112,00 Euro

Wie oft kann ich die Prüfung wiederholen?

Sowohl die schriftliche als auch die praktische Prüfung kann zwei Mal wiederholt werden.

 

Dies gilt jeweils für den angestrebten Beruf. Theoretisch können Externe, falls sie die Zulassungsvoraussetzungen für jeden, der über hundert staatlich anerkannten Berufe erfüllen, drei schriftliche und drei praktische Prüfungen ablegen.

Wo kann ich die Prüfungsaufgaben der letzten Jahre bestellen?

Prüfungen der Industrie- und Handelskammer

http://www.u-form-shop.de

 

Prüfungen der Handwerkskammer

http://www.christiani.de/

Ich habe bereits einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf erworben. Kann ich die Externenprüfung in einem anderen Beruf ablegen und mich “doppelt qualifizieren“?

Selbstverständlich! Theoretisch können Sie mit der Externenprüfung jeden staatlich anerkannten Beruf erwerben, falls Sie die Zulassungsvoraussetzungen für den jeweiligen Beruf erfüllen.

Ich habe meine Ausbildung abgebrochen oder die Abschlussprüfung nicht bestanden. Können die Ausbildungszeiten für die Externenprüfung angerechnet werden?

Ausbildungszeiten können angerechnet werden, wenn Sie die dazugehörigen Nachweise erringen können.

Kann eine höhere schulische Allgemeinbildung wie etwa die Fachoberschulreife für die Externenprüfung angerechnet werden?

Fachoberschulreife kann angerechnet werden. Auch ein fachliches Berufskolleg kann unter Umständen angerechnet werden. Hier entscheiden die Kammern im Einzelfall.

Ich habe mein Studium abgebrochen? Können Studienzeiten angerechnet werden?

Studienzeiten können angerechnet werden. Auch hier entscheiden die Kammern im Einzelfall.

Kann ich die Kosten der Externenprüfung von der Steuer absetzen?

Nach aktueller Steuerrechtslage kann jeder seine Ausbildungskosten von der Steuer absetzen. Das gilt auch für die Externenprüfung.

 

Das Steuerrecht ist komplex. Das Finanzamt unterscheidet in Erstausbildung, Weiterbildung, Werbungskosten oder Sonderausgaben.

 

Ein Beispiel:

Andreas hat nach jahrelanger Praxiserfahrung in einer Autowerkstatt die Externenprüfung zum Kfz-Mechaniker bestanden. Weil es sich um seine Erstausbildung handelt, darf er die Kosten (Prüfungsgebühr, Prüfungsvorbereitung, Anfahrt zur Prüfung etc.) unbegrenzt als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Dazu muss er in seiner Steuererklärung die Anlage N ausfüllen.

Was ist, wenn ich nicht zur Prüfung zugelassen werde?

Hält die zuständige Kammer beziehungsweise der/die Prüfungsausschussvorsitzende die Zulassungsvoraussetzung für nicht gegeben, so entscheidet der gesamte Prüfungsausschuss.

 

Hält der gesamte Prüfungsausschuss die Zulassungsvoraussetzungen für nicht gegeben, können Sie einen Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen.

 

Alternativ können Sie einen neuen Antrag auf die Externenprüfung in einem anderen oder ähnlichen Beruf stellen.

 

Möglicherweise fehlen ein paar Zeiten oder etwaige Qualifikationen, um zur Externenprüfung zugelassen zu werden. Möglicherweise lassen sich diese Mankos mit einem Weiterbildungskurs beheben.

Prüfungstipp zur Externenprüfung

Wie für jede Prüfung ist eine gezielte Prüfungsvorbereitung die beste Voraussetzung für einen erfolgreichen Abschluss.

 

Gerne möchten wir ihnen empfehlen, die Ausbildungsordnung für den angestrebten Beruf sorgfältig durchzulesen. In der Ausbildungsordnung für den angestrebten Beruf erfahren Sie alles über die praktischen und theoretischen Prüfungsanforderungen.

Deine nächsten Schritte …

  1. Finden Sie heraus, welche Kammer (Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer) für deine Region zuständig ist.
  2. Stellen Sie bei der Kammer einen Antrag auf Zulassung zur Prüfung für den angestrebten Ausbildungsberuf. Dazu benutzen Sie entweder ein Antragsformular oder schreibst einen formlosen Brief.
  3. Legen Sie – soweit vorhanden – dem Antrag alle erforderlichen Unterlangen und Nachweise (Lebenslauf, Zertifikate, Zeugnisse, Arbeitsverträge etc.) bei.
  4. Jetzt heißt es abwarten! Erfüllen Sie die Zulassungsvoraussetzungen, wird ihnen die Kammer einen Prüfungstermin vorschlagen.

Adressen und Links

Dachverband der Industrie- und Handelskammern

http://www.dihk.de/

 

Dachverband der Handwerkskammern

https://www.zdh.de/

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