Gibt es ein Patentrezept für die langfristige Geldanlage?

Ein Gastbeitrag vom Finanzkoch.

 

Als der Moosmann mich gefragt hat, ob ich einen Gastartikel für die Moosparade schreiben möchte, habe ich keine Sekunde gezögert. Klar möchte ich. Thema:

 

 

Das Patentrezept für die langfristige Geldanlage

 

Was ich mir mit der Themenwahl eingebrockt habe, ist mir erst nach und nach aufgegangen. Ich habe die Finanzküche auf den Kopf gestellt. Ja, ich habe sogar meinen Kopf auf den Kopf gestellt …

Depot Vergleich
Girokonto Vergleich
Tagesgeld Vergleich

Und habe es nicht gefunden - das Patentrezept. Schuld für mein Scheitern ist unsere wunderbare Vielfalt.

 

Ich finde Fallschirmspringen riskant. Gut möglich, dass Sie mich dafür belächeln und gleich morgen frei von jeder Angst aus einem Flugzeug hüpfen. Im gleichen Atemzug kann es sein, dass Sie Aktien riskant finden, während mich ihre Kursschwankungen kalt lassen.

 

Wir sind verschieden.

 

Patentrezepte gibt es bei der Geldanlage genauso wenig, wie beim Kochen. Sie könnten mir die beste Leber der Welt auf den Tisch stellen und ich würde trotzdem mit den Ohren schlackern. Rezept hin oder her, Leber schmeckt mir nicht.

 

Mit einem Patentrezept kann ich also nicht dienen …

 

Doch ich wäre ein jämmerlicher Finanzkoch, wenn ich nicht ein paar Grundzutaten hätte, die es in sich haben. Bereit?

Zutat Nummer 1: Giben Sie weniger aus, als Sie einnemmen

Ohne Sparen geht es langfristig nicht. Die Betonung liegt auf langfristig. Es gibt Lebensphasen, in denen es Sinn macht, mehr auszugeben. Dazu gehören Zeiten der Ausbildung und der Unternehmensgründung – also Phasen, in denen Sie in ihr Humankapital investieren.

 

Wenn Sie ihre Sparrate erhöhen möchten, ist es sinnvoll, ihnen zu überlegen, was Sie im Leben wirklich brauchen. 5 Euro am Tag für einen Kaffee bei Starbucks können sich über die Jahre zu einer gewaltigen Summe mausern.

Zutat Nummer 2: Betrachten Sie ihr Gesamtvermögen

Jede Anlageentscheidung stellt die Frage nach der Optimierung des Gesamtvermögens. Es reicht nicht aus, dass Sie  ihnen Gedanken machen, ob das Geld lang- oder kurzfristig angelegt und welche Rendite bei welchem Risiko erreicht werden soll.

 

Für die richtige Diversifikation muss das gesamte Vermögen betrachtet werden. Besitzen Sie bereits Immobilienvermögen? Haben Sie wertvollen Schmuck? Wie hoch ist ihr Humankapital und wie sicher sind die zukünftigen Einkommensströme daraus? Nur wenn Sie die Antworten auf diese Fragen kennen, existiert eine Grundlage für gute Entscheidungen.

 

Zwei Vermögenswerte, die häufig enormes Gewicht haben, wollen wir uns näher anschauen:

 

 

Der Einfluss des Humankapitals

 

Vielleicht kennen Sie die Faustformel: 100 minus Lebensalter ergibt die optimale Aktienquote. Wenn Sie 30-jahre alt sind, beträgt sie also 70 Prozent.

 

Die Formel ist natürlich Unsinn. Sie berücksichtigt weder ihre Vermögenssituation, noch ihre emotionale Risikotragfähigkeit. Für alle über 100 ist sie völlig unbrauchbar …

 

Doch einen Punkt berücksichtigt die Faustformel:

 

In jungen Jahren hat ihr Humankapital eine herausragende Stellung. Mit zunehmenden Alter nimmt seine Bedeutung ab.

 

Als junger Hüpfer macht ihr Humankapital oft 95 oder mehr Prozent deines Gesamtvermögens aus. Damit ist es von untergeordneter Bedeutung, mit welcher Wucht der Rest ihres Vermögens hin und her schwankt. In jungen Jahren können Sie somit größere Risiken tragen, als kurz vor ihrem Ruhestand.

 

Entscheidend ist auch, wie Sie ihr Geld verdienen.

 

Sind Sie Beamter, haben Sie einen vergleichsweise sicheren Einkommensstrom. Sie können bei der Geldanlage höhere Risiken eingehen, als ein Selbständiger, dessen Einkommen stark variiert. Sind Sie in der Finanzbranche tätig, sollten Sie niedrigere Aktienquoten in Betracht ziehen. Die Gefahr ist hoch, dass bei einem Absturz an den Aktienmärkten auch ihr Einkommen in Gefahr ist.

 

Zusammenfassend stellen sich bei der Betrachtung ihres Humankapitals 3 Fragen:

  • Wie hoch ist es?
  • Wie sicher ist es?
  • Ist es von den Entwicklungen der Kapitalmärkte abhängig?

 

Der Einfluss von Immobilienvermögen

 

Besitzen Sie ein Haus, macht es typischerweise einen großen Teil ihres Vermögens aus. Dabei gibt es 2 Phasen. In der ersten Phase zahlen Sie ihren Kredit ab. Ihr Aufwand für Zins und Tilgung ist in der Regel höher, als ihr vorangegangener Mietaufwand. Ihre Liquidität nimmt ab. Zusätzlich mussen Sie höhere Rückstellungen für unvorhergesehene Ausgaben bilden. Geht die Heizungsanlage kaputt, muss sie repariert werden. Sonst wird es im Winter ungemütlich.

 

In Phase 1 sollten Sie ihr Finanzvermögen also schwankungsärmer investieren als ein vergleichbarer Haushalt ohne Immobilienvermögen.

 

Nach der Ablösung des Darlehens tretten Sie in Phase 2 ein. Ihr Haus ist abbezahlt und Sie haben geringere Ausgaben als ein vergleichbarer Haushalt, der zur Miete wohnt. Ihre Liquidität steigt und Sie können ihr Finanzvermögen risikoreicher investieren.

 

Wollen Sie ihr Haus irgendwann verkaufen, ist noch das Preisrisiko zu beachten. Wie andere Anlagen auch, schwanken Immobilien im Preis.

Zutat Nummer 3: Halten Sie die Kosten niedrig

Sparen und die Betrachtung des Gesamtvermögens gehen ihrer Anlageentscheidung voraus. Zutat Nummer 3 betrifft ihre Umsetzung. Für ihren Anlageerfolg ist es essenziell, die Kosten gering zu halten.

 

An der Stelle muss ihnen klar sein:

 

Ihre Interessen stehen denen vieler Akteure in der Finanzbranche entgegen.

 

Sie möchten ein tolles Anlageergebnis erreichen. Banken, Versicherungen, Finanzvertriebe und Fondsgesellschaften möchten einen möglichst großen Teil von ihrem Kuchen abhaben.

 

Eine kleine Rechnung verdeutlicht die enorme Bedeutung der Kosten:

 

Legen Sie 10.000 Euro für 20 Jahre zu 6 Prozent pro Jahr an, kommen Sie auf gut 32.000 Euro Endkapital.

 

Für normale Aktienfonds werden oft 5 Prozent Ausgabeaufschlag fällig. Hinzu kommen laufende Gebühren von mindestens 2 Prozent. Beziehen wir diese Kosten in unsere Rechnung ein, kommen von ihren 10.000 Euro nur etwa 9.500 Euro an. Zudem sinkt ihre laufende Rendite von 6 Prozent auf 4 Prozent. Nach 20 Jahren haben Sie ein Endkapital von etwa 20.800 Euro.

 

Das sind gut 11.000 Euro weniger …

 

Wäge sorgfältig ab, wem Sie ein Stück von ihrem Kuchen abgeben wollen.

 

Eine günstige Alternative zu herkömmlichen Fonds sind beispielsweise ETFs. Sieben Gründe, warum Sie ETFs bei ihren Entscheidungen berücksichtigen sollten, hat Moosmann in einem Artikel zusammengetragen (Liesen Sie mich).

Zutat Nummer 4: Denken Sie langfristig

Rendite ist die Belohnung dafür, dass Sie Risiko tragen. Das bedeutet, wenn Sie mit ihrer Geldanlage Erträge oberhalb der Inflation erwirtschaften möchten, müssen Sie zwangsläufig in schwankende Vermögenswerte investieren. Langfristig haben sich diese Schwankungen bisher immer ausgeglichen. Kurzfristig können sie Sie übel treffen …

 

Bevor Sie in risikoreiche Anlagen wie Aktien investieren, sollten Sie daher ein ausreichendes Liquiditätspolster aufgebaut haben.

 

Stellen Sie vor, Sie investieren 10.000 Euro in einen Aktienfonds. In den nächsten Monaten brechen die Kurse um 30 Prozent ein. Kurz darauf haben Sie in ihrem Haus einen Wasserschaden. Kosten: 10.000 Euro. Auf dem Tagesgeldkonto haben Sie aber nur 3.000 Euro liegen. Um den Schaden zu beheben, müssen Sie ihr Depot mit 3.000 Euro Verlust auflösen. Ihre Geldanlage war offensichtlich kein gutes Geschäft.

 

Kurzfristige Investitionen in risikoreiche Kapitalmärkte sind spekulativ. Nur wenn Sie langfristig planen, können sich Schwankungen ausgleichen.

Fazit

Patentrezepte für die Geldanlage gibt es nicht. Dafür sind wir zu unterschiedlich. Trotzdem gibt es Zutaten, an denen wir uns orientieren können. 4 haben wir gerade betrachtet:

  1. Geben Sie weniger aus, als Sie einnemmen
  2. Betrachten Sie ihr Gesamtvermögen
  3. Halten Sie die Kosten niedrig
  4. Denken Sie langfristig

 

Es bleibt die Erkenntnis:

Finanzplanung ist Lebensplanung.

 

Ihr Finanzkoch

Christoph Geiler


Über den Autor

Christoph Geiler

Christoph Geiler ist Autor, Blogger und Honorarberater. Er glaubt, dass es kein Patentrezept für die Geldanlage gibt – was ihn nicht davon abgehalten hat, dir auf seinem Blog das Basisrezept des erfolgreichen Vermögensaufbaus kostenlos zur Verfügung zu stellen. Zum E-Book.

 

Seine Freundin sieht keinen Unterschied zwischen Basis- und Patentrezept und findet, dass er sich damit selbst widerspricht. Aber bekannter Maßen sind Männer und Frauen häufig unterschiedlicher Meinung.



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