Zinsen, Dividenden, Freistellungsauftrag und Kapitalertragssteuer (Abgeltungssteuer)

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Einkünfte aus Kapitalvermögen!

 

Unterliegen in Deutschland grundsätzlich der Kapitalertragssteuer.

 

Zu den Kapitaleinkünften zählen unter anderem die Zinsen aus Sparguthaben und die Dividende aus Wertpapieren.

 

Auch realisierte Kursgewinne unterliegen der Kapitalertragssteuer.

 

 

Die Kapitalertragssteuer setzt sich zusammen aus:

  • 25 Prozent Abgeltungssteuer
  • davon 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag
  • und gegebenenfalls 8 Prozent (9 Prozent) Kirchensteuer.

Zusammenaddiert beläuft sich die Kapitalertragssteuer auf 26,375 Prozent (2016).

 

Das ist ein nicht unerheblicher Teil an Prozentpunkten, welchen der Staat über das Finanzamt von den erwirtschafteten Kapitaleinkünften für sich beansprucht.

Depot Vergleich
Girokonto Vergleich
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Damit schmälern die Rendite nicht nur Gebühren für Verwaltung, Vertrieb und Orderaufträge, sondern auch zu einem großen Teil die abzuführenden Steuern.

 

Aus diesem Grund: Falls Du dich mit Geldanlage und Kapitaleinkünften ganz gleich welcher Art auseinandersetzt, solltest Du dich mit den Grundzügen der Kapitalertragssteuer befassen.

 

Klingt kompliziert, ist in der Praxis jedoch ganz einfach.

 

Das gute ist, dass das Finanzamt selbst sehr gute Tipps liefert.

Nachhaken direkt an der Quelle ist ein gut gemeinter Tipp!

Überaus sinnvoll und unabdingbar: Die Einrichtung eines Freistellungsauftrages bei der Bank oder der Fondsgesellschaft

Für Kapitalerträge:

  • bis zu 801 Euro für Alleinstehende
  • und bis zu 1602 Euro für Verheiratete

fallen keine Kapitalertragssteuern an, sofern bei der Bank oder der Fondsgesellschaft ein Freistellungsauftrag für Kapitalerträge (FSA) eingerichtet ist.

Freistellungsauftrag

Bis zu diesen Freibeträgen fällt auf Zinsen und Dividenden keine Kapitalertragssteuer an.

 

Geht das laufende Jahr zu Ende, wird der Freistellungsauftrag zurückgestellt.

 

Üblicherweise weißt eine Bank den Kunden bei der Neueröffnung eines Girokontos, Tagesgeldkontos oder eines Depots auf die Einrichtung eines Freistellungsauftrages hin.

 

Allerdings ist das nicht die Aufgabe der Bank.

 

Für die Erteilung, Änderung und Löschung eines Freistellungsauftrages ist der Kunde selbst verantwortlich.

 

Die Einrichtung, Änderung und Löschung von Freistellungsaufträgen ist für den Kunden kostenlos.

 

In der Praxis kommt es nicht selten vor, dass Freistellungsaufträge vergessen oder außer Acht gelassen werden. Das ist nicht förderlich, wenn der Kunde ein paar tausend Euro auf dem Sparbuch liegen, jedoch noch nie etwas von einem Freistellungsauftrag, Sparer-Pauschbetrag und Kapitalertragssteuer gehört hat.

 

Unrechtmäßig entgangene Kapitalertragssteuern können rückwirkend mit der Einkommenssteuer verrechnet werden. Auch ist es möglich den Kapitalertragssteuersatz rückwirkend individuell zu mindern.

 

Mehr dazu weiter unten im Text.

Muss ich die Kapitalertragssteuer selbst an das Finanzamt abführen?

Nein, die Kapitalertragssteuer wird von der Bank oder der Fondsgesellschaft direkt an das Finanzamt abgeführt.

 

Das Finanzamt besteuert hier direkt an der Quelle, das heißt wo die Steuerschuld entstanden ist.

 

Der Kunde muss sich lediglich um die Erteilung oder die sinnvolle Verteilung des Freistellungsauftrages kümmern, damit der Sparer-Pauschbetrag voll ausgeschöpft wird.

Finanzamt

Welche Einkünfte aus Kapitalvermögen unterliegen der Kapitalertragssteuer?

Das ist einiges!

 

Am besten den Steuerberater des Vertrauens fragen.

 

Hier bei MoosParade Finanzblog interessieren wir uns lediglich für:

  • Kapitaleinkünfte aus Zinsen,
  • Kapitaleinkünfte aus Dividenden,
  • Kapitaleinkünfte aus Aktien-Kursgewinnen,
  • Kapitaleinkünfte aus ETFs-Kursgewinnen.

 

Wichtig zu wissen: Alle Einkünfte aus Kapitalvermögen werden zusammenaddiert. Der Gesamtertrag, also alle anfallenden Kapitaleinkünfte werden besteuert.

Ich habe Konten bei mehreren Banken. Was jetzt?

Dann solltest Du deinen Freistellungsauftrag optimal verteilen.

 

Wie bereits erwähnt, ist der Kunde selbst für den Freistellungsauftrag verantwortlich.

Die Höhe des jeweiligen Freistellungsauftrages kannst Du selbst bestimmen.

 

Liegen bei einer Bank 20.000 Euro auf dem Konto und bei der anderen Bank auch 20.000 Euro, so ist eine Verteilung des Freistellungsauftrages für einen Alleinstehenden von 401 Euro und 400 Euro sinnvoll.

 

Abgewogen werden sollte, wie hoch die Verzinsung auf dem jeweiligen Konto ist und ob eventuell nicht irgendwelche anderen Kapitaleinkünfte (zum Beispiel Mieteinnahmen) vorliegen.

 

Du solltest nicht auf die Idee kommen den vollen Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro oder 1602 Euro bei jedem Finanzinstitut auszureizen. Das funktioniert nicht, weil Banken und andere Finanzgesellschaften alle eingereichten Freistellungsaufträge an das Finanzamt melden müssen.

 

Falls das Finanzamt bei dir nachhakt, solltest Du eine Antwort geben können.

Rechenbeispiele zur Kapitalertragssteuer

Singlehaushalt, Sparguthaben 25.000 €

 

Zinsertrag 2,5% im Jahr (vor Steuern)

Abzüglich Sparer-Pauschbetrag

Zu versteuernder Kapitalertrag

Abgeltungssteuer (25%)

davon Solidaritätszuschlag (5,5%)

davon ggf. Kirchensteuer (8%)

Abzuführende Kapitalertragssteuer insgesamt

Kapitalertrag nach Steuern

 

 

 

625 € im Jahr

 

- 801 €

0 €

0 €

0 €

0 €

0 €

 

625 €

Wertpapiersparplan

Singlehaushalt, Sparguthaben 50.000 €

 

Zinsertrag 2,5% im Jahr (vor Steuern)

Abzüglich Sparer-Pauschbetrag

Zu versteuernder Kapitalertrag

Abgeltungssteuer (25%)

davon Solidaritätszuschlag (5,5%)

davon evtl. Kirchensteuer (8%)

Abzuführende Kapitalertragssteuer insgesamt

Kapitalertrag nach Steuern

 

 

 

1.250 €

 

- 801 €

449 €

110.05 €

6.05 €

8.80 €

124,90 €

 

1125,09 €

Vermögenswirksame Leistungen (VL)

Verheiratetes Paar (Zusammenveranlagung), Sparguthaben 100.000 €

 

Zinsertrag 2,5% im Jahr (vor Steuern)

Abzüglich Sparer-Pauschbetrag

Zu versteuernder Kapitalertrag

Abgeltungssteuer (25%)

davon Solidaritätszuschlag (5,5%)

davon evtl. Kirchensteuer (8%)

Abzuführende Kapitalertragssteuer insgesamt

Kapitalertrag nach Steuern

 

 

 

 

2.500 €

- 1602 €

898 €

220,10 €

12,11 €

17,61 €

249,82 €

 

2250,19 €

Externenprüfung

Aus der Kirche austreten und die Kirchensteuer sparen

Wenn deine Zins- und Dividendeneinnahmen den jährlichen Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro beziehungsweise von 1602 Euro übersteigen und fällt die Kapitalertragssteuer an (Abgeltungssteuer, Soli und ggf. Kirchensteuer), kannst Du aus der Kirche austreten, um Kirchensteuer zu sparen.

 

Über einen Kirchenaustritt lässt es sich heftig diskutieren.

Meistens tretet man wieder ein, wenn ein Kind unterwegs ist oder das Paar sich auch vor Gott das "Ja-Wort" geben möchte.

 

Jedoch besteht hier die Wahlmöglichkeit, ob jemand die Kirchensteuer abführen möchte oder nicht.

 

Ist jemand aus der Kirche ausgetreten, so fallen auf der Einkommensteuerseite und auch auf der Kapitalertragsseite keine Kirchensteuern an.

 

Ein Kirchenaustritt kostet je nach staatlicher Behörde 20 Euro bis 150 Euro.

 

Die Kirchenaustrittsbescheinigung solltest Du aufbewahen, weil der Kirchenaustritt angezweifelt werden kann.

 

In der Beweispflicht ist diejenige Person, die aus der Kirche ausgetreten ist.

Abgeltungssteuer vom Finanzamt zurückholen

Das Steuerrecht ist sehr komplex und ändert sich ständig, sodass ich hier nur grundlegende Tipps geben kann.

 

Auch die Zahlen sind nicht genau, sodass Du dich am besten individuell beraten lassen solltest.

 

 

Hier jedoch die wesentlichen vier Möglichkeiten:

  • Hat die Bank die volle Kapitalertragssteuer abgeführt, obwohl der Sparer-Pauschbetrag nicht voll ausgeschöpft wurde, so können die Steuern rückwirkend mit der Einkommenssteuererklärung verrechnet werden. Dazu muss die Anlage KAP in der Steuererklärung ausgefüllt werden. Dies kann vorkommen, wenn kein Freistellungsauftrag bei der Bank eingerichtet war oder mehrere Freistellungsaufträge nicht optimal verteilt wurden.
  • Hat die Bank die volle Kapitalertragssteuer abgeführt, das zu versteuernde Einkommen jedoch ca. 15.000 Euro im Jahr bei einem Singlehaushalt und ca. 30.000 Euro bei zusammenveranlagten Eheleuten nicht übersteigt, so wurden zu viele Steuern abgeführt. Hier liegt der Einkommenssteuersatz unter 25 Prozent und die Kapitalertragssteuer kann zum Teil rückwirkend geltend gemacht werden. Dazu müssen alle Kapitalerträge in der Einkommenssteuererklärung erfasst werden.
  • Liegt das zu versteuernde Einkommen unter ca. 8000 Euro im Jahr, also unter dem Grundfreibetrag, so fällt überhaupt keine Kapitalertragssteuer an. Hierzu kann entweder eine Nichtveranlagungsbescheinigung bei der Finanzbehörde vorgelegt werden, damit die Steuern nicht automatisch abgezogen werden. Die abgeführten Steuern können auch hier rückwirkend über die Einkommenssteuererklärung zurückgeholt werden.
  • Ist jemand vor dem 2. Januar 1946 geboren, so kann derjenige von dem Altersentlastungsbetrag profitieren. Hierzu am besten einfach in Wikipedia nachschauen.

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