Wie verhalte ich mich in schwierigen Marktphasen?

„Wenn die Börse einstürzt, setzt das Gewissen aus.“

 

Noel du Fail (1520 - 1591), französischer Autor

 

 

Es gibt an der Börse zwei Marktphasen - den Bullenmarkt und den Bärenmarkt.

 

Der Bullenmarkt ist die einfache Marktphase - die Kurse steigen dauerhaft.

 

Der Bärenmarkt ist die schwierige Marktphase - die Kurse sinken dauerhaft.

Depot Vergleich
Girokonto Vergleich
Tagesgeld Vergleich

Marktzyklen - Bullenmarkt - Bärenmarkt

Je nach Stellung des Mondes, der Erde und der Sonne zueinander sind von der Erde aus verschiedene Phasenwinkel des Erdtrabanten durch die Sonne zu beobachten. Diese verursachen die wechselnden Gestalten des Mondes am Himmel. Dieses Naturschauspiel wiederholt sich seit Jahrmillionen immer wieder.

 

Ungefähr so, wie sich auch die zwei Marktphasen an der Börse (Bullenmarkt und Bärenmarkt) immer wieder seit Jahrhunderten wiederholen.

 

Auf einen Bullenmarkt folgt ein Bärenmarkt.

Auf einen Bärenmarkt folgt wiederum ein Bullenmarkt.

Stets das gleiche wiederkehrende Szenario.

 

Ein Bärenmarkt kann auch bedeuten: Korrektur, Konsolidierung, Krise.

 

Klären wir gleich diese Begriffe, bevor wir mit den Marktphasen Bullenmarkt und Bärenmarkt fortfahren.

 

Und warum Sie einen katastrophalen Fehler in der schwierigen Marktphase, dem Bärenmarkt nicht machen sollten.

Was ist eine Korrektur?

Von einer Korrektur spricht man, wenn die Kurse nach einer länger anhaltenden Auf- oder Abwärtsbewegung plötzlich (üblicherweise für eine kurze Zeitspanne) in die entgegengesetzte Richtung laufen.

Marktphase - Bullenmarkt - Bärenmarkt
Aufwärtstrend
Marktphase - Bullenmarkt - Bärenmarkt
Abwärtstrend

Marktphase - Bullenmarkt - Bärenmarkt
= Korrektur

Korrekturen von 13 bis 20 Prozent sind nicht selten.

Warum kommt es an der Börse (häufig nach starken Kursbewegungen) zu einer Korrektur?

Ein Grund ist häufig: Die Marktteilnehmer (Privatanleger, Börsianer etc.) nehmen Gewinne mit. Oder steigen bei einer abwärts-trendigen Korrektur ein. Oder kaufen Wertpapiere nach.

 

Ein Grund ist auch: Die Marktteilnehmer haben Angst vor einer Krise und möchten Gewinne sichern. Das somit entzogene Kapital löst einen "Preisverfall" an der Börse oder einzelnen Wertpapieren aus.

 

Manchmal hört man während einer aufwärts-trendigen Börsenkorrektur Aussagen wie:

 

"Anleger fliehen aus dem DAX!"

"DAX stürzt weiter ab!"

"Anleger nehmen Gewinne mit und lassen die Börse beben!"

 

Kurze Zeit später, nach der aufwärts-trendigen Börsenkorrektur, hört man Folgendes:

 

"Börsianer gewinnen wieder das Vertrauen in die Börse!"

"Clevere Anleger steigen jetzt ein!"

"Der befürchtete Crash ist in Euphorie verdampft!"

 

Und so weiter und so fort. So wiederholt es sich in Grundzügen mehrere Male das ganze Jahr über. Geschrei! Sensationen! Emotionen!

 

Der Druck zu handeln ist stets da.

Korrektur oder Krise? In der Mitte die Konsolidierung!

Korrektur: Wie oben im Text bereits beschrieben, kurzfristige Kursbewegung in die entgegengesetzte Richtung (nach unten sowie nach oben).

 

Konsolidierung: Wie Korrektur, dauert lediglich ein wenig länger.

 

Krise: Kurssturz (siehe Schaubild unten).

Marktphasen - Bullenmarkt - Bärenmarkt
Marktphase - Bullenmarkt - Bärenmarkt
= Korrektur oder Konsolidierung
Marktphasen - Bullenmarkt - Bärenmarkt
= Krise

Jetzt wirds konkret

Der Bullenmarkt

Der Bullenmarkt oder auch Hausse genannt, steht an der Börse für dauerhaft steigende Kurse.

Bullenmarkt

Der Bulle gilt als Sinnbild der Aufwärtsbewegung, weil er stets mit den Hörnern von unten nach oben stößt.

 

Weitere Begriffe für den Bullenmarkt sind: Bulle und Bullish.

 

Diese Begriffe drücken die Stimmung an der Börse aus:

  • Ein Bulle jagt heute den nächsten.
  • Heute findet an der Börse ein regelrechter Bullenauftakt statt.
  • Die Stimmung an der Börse ist bullish.

Der Bärenmarkt

Der Bärenmarkt oder auch Baisse genannt, steht an der Börse für dauerhaft sinkende Kurse.

Bärenmarkt

Der Bär symbolisiert fallende Kurse, weil er mit der Pranke von oben nach unten schlägt.

 

 

Weitere Begriffe für den Bärenmarkt sind: Bären und Bearish.

 

Diese Begriffe drücken die Stimmung an der Börse aus:

  • Die Bären laufen den Aktionären davon.
  • Die Stimmung an der Börse ist bearish.
  • Die Bärenfalle hat zugeschlagen.

Wann liegt ein Bullenmarkt vor?

Steigen die Kurse an der Börse über einen längeren Zeitraum, liegt ein Bullenmarkt vor.

Bullenmarkt
  • Bei den Anlegern steigt das Vertrauen in die Börse.
  • Optimismus breitet sich aus.
  • Das Vertrauen geht mit der Erwartung einher Gewinne zu erwirtschaften.
  • Allgemein herrscht positive Börsenstimmung.
  • Geringe Inflationsrate.
  • Niedriges Zinsniveau.
  • Nachhaltige Wachstumschancen.
  • Berechenbarer Wechselkurs von US-Dollar und Euro.
  • Zuversichtlicher Ausblick.

Ein Bullenmarkt kann ein ganzes Land, eine Branche oder eine Region betreffen.

Wann liegt ein Bärenmarkt vor?

Fallen die Kurse an der Börse über einen längeren Zeitraum, so liegt ein Bärenmarkt vor.

Bärenmarkt
  • Das Vertrauen der Anleger schwindet.
  • Es breitet sich Pessimismus aus. Aus (Buch)Gewinnen werden (Buch)Verluste.
  • Die Börsianer versuchen Gewinne mitzunehmen oder ihre Positionen umzuschichten.
  • Weltweit lahmende Konjunktur.
  • Hohe Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen.
  • Politische Unruhen bis hin zum Krieg.
  • Steigende Angst vor Terroranschlägen.

 

 

Ein Bärenmarkt kann ein ganzes Land, eine Branche oder eine Region betreffen.


Fakt ist:

  • Auf einen dauerhaften Bullenmarkt folgt ein dauerhafter Bärenmarkt.
  • Auf einen dauerhaften Bärenmarkt folgt wiederum ein dauerhafter Bullenmarkt.
  • Klassische Bärenmärkte sind Korrektur, Konsolidierung und Krisen, die bisher alle von kurzfristiger Natur waren.
  • Langfristig über Jahrzehnte steigt die Börse.
  • Die langfristige Rendite ist beachtlich.

Ein Erfahrungsbericht

„Seit Jahren wächst mein Depot. Die Börse steigt und steigt. Hundert Prozent! Einige Positionen sogar dreihundert Prozent im Plus. Ich hatte bereits vergessen, wie es sich anfühlt, rote Zahlen vor den Augen zu haben. Doch jetzt ist mir bange. Die Angst treibt mich. Die Kurse brechen plötzlich ein. Jeden Tag verliert mein Depot mehrere Prozentpunkte. Seit Wochen darf ich dabei zusehen, wie mein Depot regelrecht dahinschmilzt. Mir zucken die Finger. Ich will verkaufen! Verkaufen, um wenigstens die Prozentpunkte mitzunehmen, die verblieben sind. Jetzt wo alles fällt, melden sich auch Börsengurus und sagen mir, dass alle Zeichen auf Verkaufen stehen. Zum Beispiel die Fibomocca-Linie, nach der ich SOFORT alles verkaufen soll! Ein anderer Experte warnt, dass auch die Feuilles-Linie das Verkaufen von allen Industrieländer-Positionen empfiehlt.“

Wooza ... atmen Sie tief durch

Lassen Sie Begriffe wie „Fibomocca-Linie“ und „Feuilles-Linie“ auf sich wirken.

 

Was sagt ihnen ihr gesunder Menschenverstand?

Fibomocca-Linie und Feuilles-Linie - irgendwie suspekt oder?

 

Wissen Sie was: Ich habe diese Begriffe frei erfunden. Ich habe hier auf meinem Tisch einen Mocca-Kaffe stehen und einen 500er-Stapel Blatt Papier liegen, wo die französische Übersetzung „Feuilles“ für Blätter abgedruckt ist.

 

In der Finanzbranche wird sehr viel Blödsinn erzählt. Es steckt Nonsens dahinter. Ich persönlich glaube, dass Sie als cleverer Anleger 80 Prozent des Gelabers nicht zu verstehen brauchen. Da rate ich doch glatt als selbsternannter Börsenexperte wegen der Fibomocca-Linie das Depot aufzulösen oder wegen der Feuilles-Linie die Industrieländerwerte abzustoßen.

 

Und dann? Was bitte machen Sie dann?

 

Solange warten, bis ein anderer Börsenexperte behauptet, dass wegen der „Brushstix-Linie“ (das sind meine Zahnstocher) sich wieder der Einstieg lohnt?

 

Das ist grausam!

 

Wussten Sie: Dieses ganze Fachchinesisch dient manchmal dem Versteckspiel.

 

Warum?

 

Aus zwei Gründen:

  1. Weil an der Börse sehr viel Geld mit Aktivität verdient wird. Je aktiver die Anleger, desto mehr Umsatz für die Börse. Die Deutsche Börse zum Beispiel ist kein Wohlfahrtsverein, sie ist eine AG. Das Hauptziel einer AG ist die Gewinnerzielung.
  2. Weil Gurus und Propheten mit Aufmerksamkeit Geld verdienen.

 

Im Endeffekt ist es ganz gleich, ob die Kurse steigen oder fallen. Jede Kursbewegung nährt fruchtbaren Boden für Krisen- als auch Euphorie-Propheten.

 

Einer von beiden hat immer Recht!

 

Für Sie als langfristig orientierten Anleger sind Hausse (Bullenmarkt) wie Baisse (Bärenmarkt) und ganz besonders „Fibomocca-Linie“, „Feuilles-Linie“ oder „Brushstix-Linie“ uninteressant. Wen Sie dem Aktienmarkt über Jahrzehnte hinweg treu ergeben sind und Sie von Crash- als auch Euphorie-Propheten unbeeindruckt zeigen, können Sie mit Wertpapieren im langfristigen Vergleich stattliche Renditen einfahren.

 

Eine Studie der Sutor Bank macht deutlich, wie wichtig es ist seiner Anlagestrategie treu zu bleiben. Wer hektisch aussteigt halbiert Rendite.

 

In diesem Moment, wenn ihr Depot den Bach unterzugehen scheint, entscheidet es sich, ob Sie ein cleverer Anleger sind. Ob Sie Ruhe bewahren können und nichts machen, lediglich nachkaufen. Oder ob Sie von ihrer Strategie dem langfristigen Vermögensaufbau abkehren und anfangen irgendwelchen selbsternannten Börsengurus hinterherzulaufen.

 

Bloß keine Panikverkäufe ohne einen triftigen Grund. Was interessiert es Sie, ob ihr Depot gestern, heute oder morgen an Wert verliert? An der Ausgangssituation hat sich nichts geändert. Die allermeisten Anleger brauchen das Geld nicht jetzt, sondern erst in Jahren oder in Jahrzehnten, wie es in diesem Video über den Cost-Average-Effekt deutlich erklärt wird.

 

Verfolgn Sie eine ganz einfache Strategie: Durchhalten. Nachkaufen. Diversifizieren. Kosten im Rahmen halten.

 

Keine Sorge: Die Kursschwankungen werden mit einer durchschnittlichen Rendite von acht bis zehn Prozent belohnt.

 

Sie sollten lediglich wissen:

  • Die Kurse steigen (Bullenmarkt).
  • Die Kurse sinken (Bärenmarkt).
  • Ab und an kracht es - aber gewaltig (Krisen).
  • Unter Panik zu verkaufen ist ein katastrophaler Anlegerfehler.

Wie lange dauern Bullen- und Bärenmärkte?

Laut Wikipedia dauerten die zwei Marktphasen im S&P 500 Index von 1929 bis heute folgend an:

  • ein Bärenmarkt (Baisse) dauerte an der Wall Street im Durchschnitt knapp 16 Monate,
  • ein Bullenmarkt (Hausse) dauerte hingegen im Durchschnitt 54 Monate.

 

In einfachen Worten: Die Kurse steigen eher langsam über einen langen Zeitraum. Der Anleger freut sich und kann von dem Geldsegen nicht genug bekommen. Bis irgendwann von heute auf Morgen alles den Bach unterzugehen scheint. Und das in nur einem Drittel weniger Zeit.

 

Und weil wir Verluste stärker wahrnehmen als Gewinne, schmerzt der kurzfristige Verlust umso mehr:

Marktphasen - Bullenmarkt - Bärenmarkt

Keine Sorge: Sie haben nichts falsch gemacht, falls ihr Depot in einigen Wochen mehr als 30 oder 50 Prozent an Wert verloren hat. So ist die Börse. Sie ist ein Monster!

 

Kennen Sie das Lied "The Monster" von Rihanna?

 

I'm friends with the monster that's under my bed

Get along with the voices inside of my head

You trying to save me, stop holding your breath

And you think I'm crazy, yeah, you think I'm crazy

Marktschwankungen - Bullenmarkt - Bärenmarkt

Freunden Sie sich mit diesem "Börsen-Monster" an. Schließe Frieden mit ihr. Es gibt Schwankungen. Es gibt ein Risiko, welches jedoch auf langfristiger Basis fürstlich belohnt wird. Wobei Risiko nicht mit Risiko im wörtlichen Sinne gleichzusetzen ist.

 

Wichtig: Niemand kann den genauen Zeitpunkt einer Hause und einer Baisse voraussagen. Lediglich handelt es sich um statistische Durchschnittswerte.

 

Eine ganz blöde Idee ist es daher zu versuchen: Wertpapiere in einer Baisse zu kaufen und in einer Hause wieder zu verkaufen.

 

Besser gesagt: Versuchen den Markt zu timen! Wenn Sie versuchen den Markt zu timen, sind Sie nicht mehr und nicht weniger als ein selbsternannter Börsenguru.

Fazit

  • Begehen Sie nicht den Fehler unter Panik zu verkaufen.
  • Bleiben Sie ihrer Strategie treu lediglich die Marktrendite abzustauben.
  • Hören Sie nicht auf das was ihnen irgendwelche selbsternannten Börsengurus erzählen wollen.

 

Begehen Sie den Fehler den Verlustschmerz irgendwie mit Aktivität zu kompensieren, kann es geschehen, dass Sie in einen Aktivitätssog gezogen werden. Dadurch ihre Depotstruktur durcheinanderwirbeln. Sie dieses Chaos möglicherweise später bereuen könnten.

 

Spätestens dann bereuen könntest, wenn laut Statistiken nach 16 Monaten (mehr oder weniger) die Kurse langsam wieder steigen und Sie wegen einer dummen Panik- und Kurzschlussreaktion nicht mehr dabei sind.

 

Der Börse haben Sie dann den Rücken gekehrt, weil sie ihnen lediglich Verluste eingebracht haben.

 

Dieses Monster!

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