Das Risiko streuen: Wie funktioniert Risikostreuung?

Die oberste Regel für den Privatanleger lautet: Kein Geld verlieren!

 

Die gute Nachricht: Sie müssen kein Geld am Kapitalmarkt verlieren.

 

Die bessere Nachricht: Das Risiko eines Verlustes können Sie mit einer gescheiten Risikostreuung erheblich minimieren.

 

Die noch bessere Nachricht: Jeder kann Risikostreuung.

 

Doch die beste Nachricht ist: Sie können Risikostreuung, wenn Sie diesen Artikel in Ruhe durchgelesen und verinnerlicht haben.

 

Ich habe das Beste aus uns herausgeholt, damit ich mein Versprechen halten kann. Fangen wir am besten ganz von vorne bei den Basics an.

Depot Vergleich
Girokonto Vergleich
Tagesgeld Vergleich

Oder wie die nette Arzthelferin meines Hausarztes in ihren bevormundenden Worten aufrichtig erklären würde: "Wir investieren nur überschüssiges Geld an der Börse. Also Geld, welches wir über Jahre entbehren können."

 

Ich möchte in ihren bevormundenden Worten hinzufügen: "Wir investieren auch nur das Geld an der Börse, welches wir unabhängig unseres sechsmonatigen Grundbestandes für Notfälle übrig haben."

 

Lesen Sie diesen Artikel, falls Sie noch nie etwas über den sechsmonatigen Grundbestand gehört haben:

Hier fängt bereits die Risikostreuung an. Mit einem Grundbestand an Vermögen, welches nur für Notfälle sicher und jederzeit verfügbar angelegt ist.

 

Manchmal sind wir selbst beziehungsweise unsere Gedanken und unsere Emotionen das größte Risiko an der Börse.

 

Kein überschüssiges Geld oder im schlimmsten Fall geliehenes Geld an der Börse investieren, kann fatal enden.

 

Ungeduld!

Stress!

Handlungsdruck!

Die Angst alles zu verlieren!

 

Das sind die fatalen Stichworte.

 

In der Ruhe liegt die Kraft.

Besonders an der Börse.

Diese Ruhe gelingt mit einem sicheren Polster hinterm Rücken viel leichter.

 

Die hilfsbereite Arzthelferin meines Hausarztes würde in ihren bevormundenden Worten sagen: "Haben wir keinen sechsmonatigen Grundbestand für Notfälle aufgebaut und kein überschüssiges Geld für das Investieren an der Börse gespart, so sollten wir zuerst einen sechsmonatigen Grundbestand für Notfälle aufbauen und für das Investieren an der Börse zusätzlich Geld sparen. Erst dann können wir einen neuen Termin vereinbaren!"

 

Grundsätzliches zur Risikostreuung

Grundsätzlich gilt bei Investitionen im Allgemeinen:

  • Je geringer das Risiko, desto geringer der Ertrag.
  • Je höher das Risiko, desto höher der Ertrag.

Anlagen nach Risikotoleranz

Risikostreuung

Nun, die Mischung machts.

 

Tagesgeld, Festgeld, Immobilien, Fonds, ETFs, Aktien, Anleihen etc.

Wer sein Geld auf diese Produkte verteilt, streut bereits das Risiko.

 

Fakt: Eine gute Risikostreuung mindert nicht nur das Verlustrisiko, sondern kann bei gleich bleibendem Risiko die Ertragschancen erhöhen.

Girokonto-, Tagesgeld- und Depotkonditionen vergleichen

Girokonto Vergleich
Tagesgeld Vergleich
Depot Vergleich

Vorsicht vor "sinnfreien, teuren Produkten" und "Zockerprodukten", die nix mit Risikostreuung zu tun haben

Wie bereits erwähnt, lautet das oberste Gebot für den Privatanleger: Kein Geld verlieren.

 

Für mich bedeutet "kein Geld verlieren" auch, keine hohen und unnötigen Kosten zu blechen. Vor allem nicht in Produkte, die keinen Sinn machen.

 

Kosten schmälern die Rendite.

Und schließlich gehört die Rendite einzig und allein ihnen, dem Anleger!

Oder würden Sie etwa einen VW Golf für den Preis eines Lamborghini kaufen?

 

Beispiele für sinnfreie Produkte können, müssen aber nicht sein: Lebensversicherung, Bausparen, Riester oder Rürup.

Beispiele für teure Produkte können, müssen aber nicht sein: aktiv gemanagte Investmentfonds mit Ausgabeaufschlag und einer hohen TER.

 

Lies mich: Warum Sie beim Fonds- und ETF-Kauf den Ausgabeaufschlag und die Gesamtkostenquote (TER = Total Expense Ratio) berücksichtigen sollten

 

Wenn Sie den Verdacht schöpfen ein solches Produkt im Portfolio zu haben, sind Sie gut damit beraten, dies zu überprüfen. Keine schöne Sache.

 

Mein Rat: Augen zu und durch. Die Augen verschließen bringt ja eh nix. Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

 

Reine Zockerprodukte haben nichts mit Risikostreuung zu tun. Das Risiko zu streuen ist ein langfristiger Gedanke. Genau, wie der Gang an die Börse ein langfristiger Gedanke sein sollte.

 

Beispiele für Zockerprodukte können sein: Forex, CFDs, binäre Optionen. Auch Aktien, die kurzfristig gehandelt werden.

Risikostreuung bedeutet auch: das Geld auf mehrere Geldinstitute zu verteilen

Die Finanzkrise hat deutlich gezeigt, dass auch Banken und Versicherungen von Pleiten, Pech und Pannen nicht verschont sind.

 

Wenn der Finanzdienstleister nur Depotanbieter ist und Pleite geht, ist das kein großes Ding, wie Sie hier nachlesen können: Investmentschutz! Ist mein Geld sicher, wenn der Depotanbieter Pleite geht?

 

Wenn Sparanlagen betroffen sind, ist es etwas komplizierter.

Kunden, die auf ganz sicher gehen möchten, legen sich ein Konto bei mehreren Instituten zu.

Vor allem wer auf Spareinlagen setzt, ist mit diesem Rat gut beraten.

 

Zwar bürgt im Falle eines Falles der deutsche Staat mit einer Einlagesicherung von 100.000 Euro pro Kunde und pro Bank, doch sollten Sie dieses Spiel nicht ausreizen.

 

Daneben gibt es den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken. Hier sind 170 Privatbanken zusammengeschlossen. Nach Berechnungen sind in diesem Einlagesicherungsfonds pro Kunde und pro Bank eine Million Euro abgesichert.

 

Die Sparkassen und die Volks- und Raiffeisenbanken unterhalten jeweils eigene Einlagensicherungssysteme.

 

Ausland: In Deutschland springt der Staat ein, falls alle Sicherungssysteme reisen. Wer sein Geld unbedingt im Ausland auf Sparkonten bei einem Finanzinstitut anlegen möchte, sollte nachfragen, ob dieser Staat eine Bürgschaft garantiert. Auch eine Bürgschaft für ausländisches Geld.

Risikostreuung im Depot

Risikostreuung im Depot bedeutet: verschiedene Risikoarten einzudämmen.

 

Das Einzelrisiko von Aktien.

Branchenrisiken.

Währungsrisiken.

Länderrisiken etc.

 

Vor allem Klumpenrisiken, auf die ich weiter unten im Text näher eingehe.

 

In einfachen Worten gesagt: Geld im Depot so anlegen und verteilen, dass es nicht verschwindet. Dass es den Sturz von der Klippe überlebt. Dass es sich aufrappelt und wieder die Klippe emporklettert.

 

Korrekturen, Konsolidierung und Krisenzeiten übersteht.

 

Das geht, wenn Privatanleger:

  • die Risiken kennen,
  • Anlagen geschickt kombinieren.

Das tägliche Auf und Ab der Kurse können Sie anschließend getrost als nebensächlich betrachten. Wenn nicht sogar vergessen und sich auf die wirklich schönen Dinge des Lebens konzentrieren.

 

Das Wort Risiko wird übrigens auch als Volatilität bezeichnet.

 

Risikostreuung: Nicht alles auf eine Karte setzen

So lautet eine bekannte Börsenweisheit. Sicher entspricht diese Börsenweisheit der Wahrheit und kann als erwiesen betrachtet werden.

 

Es ist wie im wahren Leben: Verlieren wir unseren Arbeitsplatz, verlieren wir unser Einkommen. Um wieder an Geld zu kommen, braucht es einen neuen Job.

 

Werden wir aus der Wohnung gebeten, z.B. wegen Eigenbedarf, so stehen wir auf der Straße. Um im Winter nicht zu frieren und im Sommer bei Starkregen nicht nass zu werden, braucht es eine neue Bleibe.

 

Zwei außergewöhnliche Beispiele: Lediglich um zu verdeutlichen, was "Alles auf eine Karte setzen" bedeutet.

 

Nicht anders ist es bei Aktien: Ein Privatanleger ist Angestellter und totaler Fan DES Automobilkonzerns. Fährt selbstverständlich ein Auto seiner Firma und Marke. Investiert all das überschüssige Geld, legt Aktien nur dieses Konzerns ins Depot.

 

Alles läuft gut.

Jahrzehntelang.

Sicherer Job.

Tolle Kursperformance.

Angemessene Dividende, die in dieselbe Aktie reinvestiert wird.

 

Bis das Unternehmen einen einzigen Trend verpennt.

Von der Konkurrenz in kürzester Zeit überholt wird.

Blitzschnell Insolvenz anmeldet.

Morgen vom Markt verschwindet.

 

Resultat: Alles Geld im Depot weg!

 

Auch hier, alles auf eine Karte gesetzt. Risikostreuungs-Note ...

Risikostreuung

Risikostreuung: Nicht alle Eier in einen Korb legen

So lautet eine andere bekannte Börsenweisheit. Auch diese Börsenweisheit kann als erwiesen betrachtet werden.

 

Was ist es, wenn derselbe Privatanleger nicht Fan eines einzigen Unternehmens, sondern großer Fan von zwei, drei Branchen ist?

 

Nehmen wir an, der Privatanleger investiert sein überschüssiges Geld in Wertpapiere des Automobilsektors.

 

Sternaktien.

Weis-blaue Aktien.

Autoteilezulieferer.

 

Dazu in die Schifffahrt, die zum großen Teil auch Autos befördert.

 

Damit verteilt er zwar das Risiko auf mehrere Akteure.

Allerdings ist das Depot hoch konzentriert.

Es besteht die Gefahr von Klumpenrisiken.

 

Hoch konzentriert in einfachen Worten bedeutet: Alle sind irgendwie voneinander abhängig.

 

Bricht die Nachfrage ein oder weht der Wind durch die Automobilbranche, bricht auch die Nachfrage nach Schifftransporten seitens der Automobilhersteller ein. Durchaus kann es dann sein, dass das Depot in kürzester Zeit immens an Wert verliert.

 

Das Nest ist geplündert.

Der Stärkere überlebt den Verlust.

Das ist der Privatanleger.

Es ist ja schließlich nur Geld.

 

Der Stärkere war nur nicht klug genug und legte alle Eier in einen Korb.

Risikostreuung - Diversifikation

Unabhängig davon, ob sich das Depot wieder erholt, nagt dieses Klumpenrisiko an der Stabilität.

 

Dazu im Fall der Fälle:

  • Angstschweiß!
  • Stress!
  • Emotionen und Überreaktionen!
  • Und wieder dieser Handlungsdruck!
  • Und was ist, wenn ich gerade jetzt Geld brauche?

 

Wie bereits erwähnt: Manchmal sind wir selbst beziehungsweise unsere Gedanken und unsere Emotionen das größte Risiko. Besonders in ganz heiklen Situationen.

 

Klumpenrisiken gibt es übrigens nicht nur im Depot.

 

Ein hohes Klumpenrisiko besteht, wenn der Arbeitgeber Mitarbeiteraktien spendiert und das Depot nur aus Aktien dieses Unternehmens besteht. Gut, die Aktien sind spendiert. Trotzdem schmerzt der Verlust.

 

Nur Bundesanleihen machen für einen Beamten wenig Sinn, weil dieser beruflich abgesichert ist.

 

Ein ganz hohes Klumpenrisiko besteht bei einem Immobilienkauf. So ist rein rational betrachtet all Geld in nur ein einziges Objekt zu stecken, mehr als irrational. Dazu besteht das große Risiko der Handlungsunfähigkeit, weil die Immobilie nicht einfach so mal schnell verkauft werden kann. Tritt dann der Fall der Fälle ein, ist in der Regel viel verloren.

 

Nebenbei erwähnt: Wer gerne Immobilien im Depot hält, kann auf REITs setzen.

 

Risiko streut und Klumpenrisiken vermeidet, wer viele Nester baut, die sich gegenseitig kaum beinflussen.

Der amerikanische Forscher Meir Statman ist 1984 der Frage nachgegangen, wie viele Aktien es denn benötigt, um eine gute Risikostreuung im Depot sichzustellen.

 

Statman empfiehlt: 40 Aktien!

 

Investorpedia hat ermittelt, dass für eine gute Risikostreuung 20 - 30 verschiedene Aktien im Depot, zumindest für den amerikanischen Anleger, ausreichen.

 

Das Deutsche Aktieninstitut empfiehlt für den deutschen Anleger 8 bis 10 verschiedene Aktien für ein gut gestreutes Depot.

 

Hm, was jetzt?

Folgender Gedanke steckt dahinter: Verliereraktien können durch Gewinneraktien abgefedert werden. Das mindert das Risiko. Führt dazu zu geringeren Kurschwankungen des gesamten Portfolios.

Risikostreuung: Sind ETFs die Lösung des Problems?

Laut dem Deutschen Aktieninstitut sollten Anleger, die weniger als 8 bis 10 verschiedene Aktien ins Depot aufnehmen können oder wollen, prüfen, ob sie mit breit gestreuten ETFs nicht besser fahren würden.

 

Mit kostengünstigen ETFs aus verschiedenen Branchen, verschiedenen Ländern, verschiedenen Währungen erreicht der Anleger ab der ersten Einzahlung eine breite Streuung.

 

Dass, weil nicht einzelne Eier, sondern gleich ein bereits gut gefüllter Korb gekauft wird. Mit nur einem ETF investieren Privatanleger in teilweise Hunderte Aktien.

 

Doch besteht auch hier die Gefahr von Klumpenrisiken. Gut beraten ist man, wenn man auch hier viele Nester baut, die sich gegenseitig kaum beinflussen.

 

Wieso sollte man zwei ETFs von zwei verschiedenen Anbietern im Depot halten, wenn die Zusammensetzung der Einzelwerte im ETF identisch ist?

 

Oder zwei identische ETFs auf den DAX?

Oder zwei identische ETFs auf den DowJones?

Oder zwei identische ETFs auf den DivDAX?

Oder zwei identische Dividenden-ETFs?

Oder zwei identische ETFs auf den Gesundheitssektor?

 

Nur weil die ETFs von verschiedenen Anbietern angeboten werden?

 

Übrigens: Der Finanzsektor und der Gesundheitssektor sind in einigen Indizes überdurchschnittlich hoch gewichtet. Durchaus kann es vorkommen, dass man mit jedem gekauften ETF immer wieder dieselbe Aktie ins Depot holt.

Risikostreuung: Depot kritisch überprüfen

Viele Anleger wissen nicht, wie gut ihr Depot diversifiziert ist. Sie haben keine Kenntnis darüber, wie sie ihr Risiko gestreut und ob sie das Risiko ausreichend gestreut haben.

 

Nicht verkehrt ist: Eine freie Stunde zu investieren. Das Depot kritisch überprüfen.

 

Fleißarbeit: Weil die Einzelwerte eines ETFs von Zeit zu Zeit umgeschichtet werden, lohnt es sich das Depot mindestens ein Mal im Jahr auf Herz und Nieren zu prüfen.

 

Viele Banken und Broker bieten im persönlichen Log-in-Bereich Risikoanalysen an.

 

Bei einem meiner Anbieter kann ich das Einzelrisiko und das Gesamtrisiko des Depots überprüfen.

 

Eine sogenannte Korrelationsmatrix zeigt an, in welcher Weise Kursschwankungen einzelner Wertpapiere im Depot in der Vergangenheit voneinander abhängig waren. Eine hohe Korrelation (ist rot markiert) zweier Werte bedeutet eine hohe Abhängigkeit und damit eine schlechte Risikostreuung. Werte, die sich gegenseitig kaum beeinflussen (ist grün markiert), sorgen für eine gute Risikostreuung.

 

Einfach beim Anbieter nachforschen.

In der Regel sind solche Tools einfach zu bedienen und kostenlos.

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