Wie Sie Finanzprodukte erkennen, die sich Verkaufen müssen, als das sie Vermögen bilden sollen

Hm, Aktien? OK!

 

Hm, Zinsen? Alles klar, verstanden!

 

Aber was ist ein Aktienzins?

 

"Aktienzins", gefunden, gesehen und gelesen auf der Webseite eines bekannten Emittenten.

 

Von dem Begriff irritiert.

 

Dem dahinterstehenden Finanzprodukt fasziniert.

 

Überkommt mich die Recherchelust.

 

Lassen Sie uns den Begriff "Aktienzins" und den dahinter verborgenen aktiv gemanagten Investmentfonds Stück für Stück auseinandernehmen.

 

In Einzelteile zerlegen.

 

Analysieren!

 

Warum?

Depot Vergleich
Girokonto Vergleich
Tagesgeld Vergleich
Börsenseminar

Weil diese Analyse (an einem konkreten Beispiel) dir hilft, Finanzprodukte in lediglich zwei Kategorien einzuordnen:

Finanzprodukt

Der Emittent wirbt mit dem aktiv gemanagten Investmentfonds "Aktienzins" für "regelmäßiges und planbares Einkommen"

"Gute Erträge einsammeln. Und das regelmäßig", heißt es auf der Webseite des beworbenen Produktes.

 

Wichtiges Detail: Hinter dem Wort "Aktienzins" verbirgt sich eine kleine Eins.

 

Wer gerne mit regelmäßig fließenden Erträgen kalkuliert, der solle auf den "Aktienzins", statt auf den Marktzins setzen. Der Investmentfonds soll ein regelmäßiges Einkommen sichern.

 

Beworben wird eine Rendite von vier Prozent jährlich und einer festen Ausschüttung der Erträge, jeweils zum 15.12. eines Jahres.

 

Auch hier versteckt sich ein wichtiges Detail: Hinter dem Wort "Ausschüttung" verbirgt sich eine kleine Zwei.

Drei Fragen

Erste Frage: Was bedeutet die kleine Eins hinter dem Wort "Aktienzins"?

Zweite Frage: Was bedeutet die kleine Zwei hinter dem Wort "Ausschüttung"?

 

Vermutung: Das Kleingedruckte, welches üblicherweise niemand liest.

 

Dritte und vorerst letzte Frage: Woher weiß der Emittent, dass die Erträge fest und regelmäßig mit vier Prozent kommen, und schüttet eine Aktie überhaupt einen festen Zinssatz aus?

 

Um diese dritte Frage zu beantworten, werfen wir einen Blick zurück zu den Basics: back to the roots

Was ist eine Aktie?

Eine Aktie ist ein Wertpapier, welches den Anteil an einer Gesellschaft verbrieft.

 

Das Unternehmen kann die Aktionäre über Dividenden am Gewinn des Unternehmens beteiligen. Die Dividende ist eine pro Aktie geleistete Zahlung an die Besitzer der Aktien.

 

Die Höhe der Dividende wird vom Vorstand vorgeschlagen und von der Hauptversammlung des Unternehmens beschlossen.

 

Zwischenfazit: Eine Aktie schüttet keinen Zins, sondern eine Dividende aus. Die Höhe der Dividende ist nicht fest, sie wird vom Vorstand und von der Hauptversammlung des Unternehmens beschlossen.

Was ist ein Zins?

Zins ist das Entgelt, das der Schuldner dem Gläubiger für vorübergehend überlassenes Kapital zahlt.

 

Das Wort Zins steht für den Zinssatz, angegeben in Prozent pro Intervall, zum Beispiel pro Jahr.

 

Die Kreditzinsen ergeben sich aus der Höhe des Kapitals und dem vereinbarten Zinssatz.

 

Zwischenfazit: Zinsen bleiben "fest". Über viele Jahre. Zinsen werden nicht aus Anteilsscheinen (Aktien), sondern aus Geldkapital (Sparbuch) oder Sachkapital (Immobilien) gezahlt.

Was ist demzufolge ein Aktienzins?

Eine kluge strategische Handlung der Werbeexperten, die wissen, dass der deutsche Michel keine Ahnung von Aktien und Börse hat. Gleichwohl was mit festen Zinsen anfangen kann.

 

Dazu gerade jetzt Bange um sein hart erspartes Geld hat und im derzeitigen Niedrigzinsumfeld nach "sicheren" Alternativen zum Sparbuch sucht.

 

Zwei unbeantwortete Fragen sind noch offen!

 

Erste Frage: Was bedeutet die kleine Eins hinter dem Wort "Aktienzins"?

Zweite Frage: Was bedeutet die kleine Zwei hinter dem Wort "Ausschüttung"?

 

Wie kommt der "Aktienzins" zustande?

 

Wie kann es sein, obwohl der Emittent dieses Fonds am Kapitalmarkt auch nur mit Wasser kocht, etwas garantiert (vier Prozent regelmäßige Ausschüttung), was nicht garantiert werden kann?

Was bedeutet die kleine Eins hinter dem Wort "Aktienzins"?

Auszug: "Vollständiger Name des Fonds ist XXX – A2 – EUR, im Folgenden als Aktienzins bezeichnet. Die Anteilscheinklasse Aktienzins A2 – EUR wurde am 31.10.2014 aufgelegt. Bitte beachten Sie die Chancen und Risiken des Fonds. Die Volatilität (Wertschwankung) des Fondsanteilwerts kann stark erhöht sein. Ein Erfolg der Strategie kann nicht garantiert und Verluste nicht ausgeschlossen werden."

 

Soweit nichts Ungewöhnliches für eine Wertpapieranlage.

Lediglich der Name ist irreführend, weil das Wort "Zins" etwas Festes suggeriert.

Was bedeutet die kleine zwei hinter dem Wort "Ausschüttung"?

Auszug: "Grundsätzlich gilt: Sofern ausreichend Erträge angefallen sind, werden diese vollständig ausgeschüttet, falls nicht, wird ein Teil der Ausschüttung aus der Substanz erfolgen. Die Ausschüttungshöhe lässt keine Rückschlüsse auf die Dividendenrendite des Fonds zu. Insbesondere wenn die Dividendenrendite des Fonds hinter den erfolgten Ausschüttungen zurückbleibt, kann der Auszahlungsbetrag bei Rückgabe geringer als der Ausgabepreis (exkl. Ausgabeaufschlag) ausfallen."

 

Aha: "... falls nicht, wird ein Teil der Ausschüttung aus der Substanz erfolgen."

 

Ich übersetze mit eigenen Worten: Sollte der Investmentfonds keine Erträge erwirtschaften können, bekommen die Anleger einfach das Geld ausbezahlt, welches sie zuvor eingezahlt haben. Dann schaut es danach aus, als ob das Papier ein regelmäßiges Einkommen auszahlt, was es jedoch nicht macht.

 

Jetzt habe ich noch eine letzte Frage.

Was bedeutet eigentlich Substanz?

Substanz und Fondsvermögen

Zu den Gebühren und dem Inhalt des Investmentfonds

Der Fonds konzentriert sich auf Aktien in europäischen Unternehmen, die angemessene Dividendenerträge erwarten lassen.

 

Die Toppositionen sind:

  • Münchner Rückversicherung,
  • Vodafone Group,
  • British American Tobacco,
  • HSBC,
  • Royal Dutch Shell,
  • Imperial Tobacco,
  • Freenet,
  • Total etc.

 

Ausgabeaufschlag: 5,00 Prozent einmalig bei Einlage.

TER: 1,80 Prozent laufend jährlich.

Stand: Februar 2015

 

Anmerkung und Vergleich mit einem ETF: Ein aktiv gemanagter Investmentfonds lässt sich nur schwer mit einem börsengehandelten Indexfonds (ETF) eins zu eins vergleichen, weil beide Produkte zu verschiedenen Anlageklassen zählen.

 

Die Kosten lassen sich jedoch sehr wohl vergleichen.

 

Ein simpler ETF, welcher auf europäische Qualitätstitel setzt, ist bereits ab einem halben Prozentpunkt oder weniger pro Jahr zu haben. Ohne Ausgabeaufschlag.

Fazit

Kein Wunder, dass die Finanzbranche niemand versteht und besonders diese Branche, als eine der selbstgefälligsten Branchen wahrgenommen wird.

 

Zu der gesicherten Ausschüttung, wenn nötig aus der Substanz: Von einem seriösen Unternehmen erwarte ich etwas mehr Anstand.

 

Auf der anderen Seite: Aktienbesitzer dieses Emittenten sind überaus erfreut über solche Produkte. Die Dividende ist wohl über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte gesichert.

 

Zu den Gebühren: Katastrophe!

 

Zum Kleingedruckten: Unbedingt lesen, nicht nur in diesem Fall!

 

Interessant finde ich zu beobachten, wie sich dieses Produkt weiterentwickelt.

Spricht es die Anleger an oder verschwindet es bald wieder aus dem Portfolio des Emittenten?

 

Das Fondsvolumen gibt mehr Auskunft über die Entwicklung eines Fonds.

 

Wenn das Fondsvermögen steigt, dann ist das ein Zeichen dafür, dass der deutsche Michel und ein paar andere Zinsgebeutelten das Produkt kaufen.

 

Endgültiges Fazit für mein Depot:

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